021 Hohle Gasse – Allschwil

Situation und Programm

Eine befreundete Familie traten an uns heran mit dem Wunsch, dass wir ein geeignetes Land für ihr Haus finden, das den besonderen Anspruch erfüllen sollte, zwei Haushalte zu beherbergen, die sowohl separat als auch gemeinsam als Familie gelebt werden können. Die klare Vorstellung über das Programm, der Wunsch nach einer Sichtbetonfassade sowie das straffe Budget legten die Themen von Beginn weg fest.

Im Basellandschaftlichen Allschwil nahe der Grenze zu Frankreich fanden wir auf der Böschungskante der Hohlen Gasse ein geeignetes Grundstück mit einem bestehenden Haus dessen Garten parzelliert werden konnte. Der ehemalige Nutzgarten des Hauses liegt auf der von der Erschliessungsstrasse abgewandten Seite und wird zweiseitig von steil abfallenden Böschungen begrenzt. Dadurch steht er in keinem direkten Bezug zum Strassenraum. Der Neubau liegt in diesem Garten wie auf einer Lichtung im Wald und formt zusammen mit der dicht bestandenen Böschung einen introvertierten und ruhigen Ort.

Volumen und räumliche Organisation

Der Fussabdruck des Volumens ist ein längliches Rechteck dessen eine Ecke zu einem spitzen Winkel verzogen wird. Aus der Grundrissgeometrie heraus entsteht so ein aufsteigender First, wenn die Trauflinien horizontal ausgebildet werden, und durch das asymmetrisches Satteldach betonen wir das Aufsteigen zusätzlich. Der höchste Punkt des Giebels liegt nahe an der Böschungskante und überragt sie fast.

Die nordöstliche Giebelfassade bildet mit den zwei Hauseingängen, den Bädern und den Küchen das Rückgrat des Hauses. Diesem vorgelagert öffnen sich die Wohnräume über die gesamte Fassade gegen Nord- und Südosten. Diese Öffnung wird unterstützt durch eine Weitung des Wohnraumes, die auf die auseinanderlaufenden Trauffassaden zurückzuführen ist. Das massive und körperhafte Volumen des Treppenhauses stärkt die spitzwinklige und fragile Hausecke und unterteilt den grossen Raum in Wohn- und Essbereich. Die gewendelt Innentreppe verbindet die Wohngeschosse zusätzlich zur äusseren Erschliessung untereinander und endet offen in einem grossen Giebelzimmerzimmer mit Bad.

Struktur

Das Gros der inneren Lasten wird über drei fast im Gleichgewicht stehende Stahlbetonwände abgetragen, so dass die Fassade kaum belastet wird. Zwei der Wände stehen rechtwinkligen zur Nordwestfassade, und die Dritte umschliesst das Treppenhaus. Die dadurch erreichte einfache Gliederung des Innenraumes setzt sich über alle Geschosse fort und wird individuell komplettiert durch Ausfachungen aus Kalksandstein, die eine spätere Anpassung der räumlichen Struktur zulassen.

Ausdruck und Materialisierung

Um Kosten bei der Sichtbetonfassade zu sparen stellten wir das Schalungsbild und –material dem Unternehmer frei und gaben lediglich die Arbeitsfugen vor. Neben diesen individuellen Spuren des Baumeisters sind die einzigen Gestaltungselemente der Fassaden die schlichten Öffnungen und die Fenstereinteilungen. Bekrönt wird der massive Bau von einem leichten Dach aus Welleternit, das spielerisch der Geometrie folgt.

Im Innern belassen wir die Materialoberflächen weitgehend roh und zeigen die Fertigungsspuren und Ungenauigkeiten offen. Einzelne veredelte Flächen verleihen den Wohnräumen Wärme und eine feine Abtönung des Putzes fasst die Farb- und Texturvielfalt zusammen. Diese direkte Bauweise mit markanten Spuren und Ungenauigkeiten im Zusammenspiel mit weichen und farbigen Oberflächen verleiht dem Haus eine unerwartete Lebendigkeit und Leichtigkeit.

Bauherr: privat

Jahresangabe: 2015 – 2017

Leistungen: Architekturleistungen (Projekt- und Ausführungsplanung, Kostenkontrolle, Bauleitung)

Status: ausgeführt