025 In der Eich 5 & 7 – Laufen

Situation und Aussenraum

Da sich die Vorgaben aus dem ersten Doppelhausprojekt «In der Eich 1 & 3» komplett geänderten hatten, mussten wir das zweite Haus nochmals von Grund auf überarbeiten. Als Ausgangspunkt für den Entwurf wählten wir eine statisch klare und kostengünstige Stahlkonstruktion und loteten deren räumliches und programmatisches Potential für Wohnbauten aus. Aus dem ersten Projekt übernahmen wir lediglich die Setzung des Baukörpers, den Querschnitt und die First- und Traufhöhen.

Das längsrechteckige, zweigeschossige Volumen orientiert sich mit den Längsfassaden südseitig an der Strasse und nordseitig an der Landwirtschaftszone. Das Haus steht nicht direkt an der Strasse, sondern spannt durch das Zurückweichen einen öffentlichen und lebendigen Gartenraum auf. Durch Nebenbauten gliedern wir den Aussenraum und schaffen eine klare Ankunftssituation. Im Gegensatz dazu entsteht nordseitig, abgeschirmt von der Strasse, ein zurückgezogener und ruhiger Ort, der vom Ausblick über das Ackerland und über die nahen Wälder profitiert.

Statische Struktur und hybride Konstruktion

Mit der Wahl einer primären Tragstruktur aus Stahl entschieden wir uns bewusst für eine hybride Konstruktion. Jedes Material wird seinen Eigenschaften entsprechend eingesetzt und es gibt eine klare Aufgabenteilung zwischen Tragen, Trennen, Dämmen und Schützen.

Auf das Kellergeschoss aus Stahlbeton werden zu Halbrahmen verschweisste IPE 330 Profile aufgerichtet und zu biegesteifen Vollrahmen verschraubt. Querstäbe zwischen den Eckknoten dienen als Aussteifung und gleichzeitig als Abschalung der Erdgeschossdecke. Diese wird im Verbund mit den Stahlprofilen gegossen. Die Stahlrahmen des Obergeschosses werden dem Kräfteverlauf entsprechen auf IPE 220 Profile reduziert und tragen die Holzelemente des Daches und der Längsfassaden. Die Fassade des Erdgeschosses bleibt im Gegensatz zum Obergeschoss im Sinne einer strukturellen Öffnung längseitig durchlässig und betont so den Unterschied zwischen dem lebendigen und dem ruhigen Wohngeschoss. Die Giebelfassaden erhalten als Abschluss ein fensterloses zweigeschossiges Sichtmauerwerk aus Schalungssteinen und unterstreichen so die klare Nord-Süd Orientierung.

Räumliche Struktur

Durch die Stahlkonstruktion wird ein freier Grundriss ermöglicht, der durch die regelmässig angeordneten Stahlrahmen in gleiche Felder unterteilt wird. Mit den nichttragenden Innenwänden zeichnen wir weitgehend die Tragstruktur nach und betonen die Firstlinie als Mittelachse des Querschnittes. Das Erdgeschoss steht beidseitig über fassadenlange Treppen in einer engen Beziehung zum Aussenraum. Die kleinteiligen Räume wie Treppenhaus, Garderobe, Küche und Büro ordnen wir südseitig an und spielen so nordseitig einen grosszügigen vor Einblicken geschützten Ess- und Wohnraum frei. Im Obergeschoss befinden sich die Schlafräume mit kleinformatigen Fenstern, die den Blick in die Ferne leiten.

Ausdruck und Materialisierung

Für die Materialisierung wählten wir günstige und robuste Materialien, deren Oberflächeneigenschaften keine weitere Behandlung oder Deckschicht benötigen. Dadurch erhalten wir widerstandsfähige Oberflächen, die ein ungezwungenes Leben zwischen Innen und Aussen im Erdgeschoss ermöglichen. Im Gegensatz dazu erhält das Schlafgeschoss durch den Linol- oder Teppichboden und die geseiften Dreischichtplatten der Fassaden- und Dachflächen eine weiche und gedämpfte Atmosphäre.

Die Hülle des Hauses besteht aus verschieden Wandaufbauten – Mauerwerk aus Schalungssteinen, Holzfenster und Holzelemente -, die sich nicht miteinander verzahnen, sondern direkt am Stahlbau befestigt oder davor gestellt werden. Die so stumpf gestossenen Aussenwände werden durch ein Schutzdach aus Welleternit zusammengefasst. Diese textile Dachhaut, die sich über den Baukörper spannt, lässt die Konstruktion fragil und flüchtig wirken.

Bauherr: Grieder Jaquet Jeltsch Architekten ETH SIA

Jahresangabe: 2016 – 2017

Leistungen: Totalunternehmerleistungen
(Planung, Verkauf, Realisierung)

Status: in Ausführung